Ein Hurrikan im Inselparadies | Gastbeitrag von Sonja M.

Als ich den Beitrag von Sonja gelesen hatte, ließ die Gänsehaut auch nach Minuten noch nicht nach. Die Vorstellung einem Hurrikan so nahe zu sein und die Hoffnung darauf, dass alles gut ausgeht, macht einem die Hoffnung auf “normales” Reisen beschwerlicher.

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Ein Hurrikan im Inselparadies

Meine erste Fernreise ging im September 2004 in die Dominikanische Republik. Wie aufgeregt mein Freund und ich waren. Drei Wochen wollten wir uns in Juan Dolio die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und das Karibikfeeling in uns aufsaugen. Von Frankfurt aus ging es mit der Condor nach Punta Cana. Bei Ankunft am Flughafen wurden wir herzlich empfangen und das Abenteuer konnte beginnen. Unser 3 Sterne Hotelanlage befand sich in Juan Dolio. Die ersten beiden Tage erholten wir uns am Strand und Pool und genossen das umfangreiche Buffet- und Cocktailangebot in vollen Zügen. Die darauf folgenden Tage erkundeten wir die Insel. Wir machten eine Bootstour zus Isla Saona, einen Ausflug nach Santo Domingo und eine ganztägige Öko-Tour mit Reiten, Zigarre drehen, Bootsfahrt auf einer Lagune und vielen weiteren tollen Aktivitäten.

Nach Ende der ersten Woche sahen wir in den Nachrichten, dass der Hurrikan Jeanne (Hurrikan der Kategorie 3) genau auf die Dominikanische Republik zu rollte. Zu dieser Zeit befand er sich auf dem Atlantischen Ozean und noch weit entfernt von uns. Ich informierte meine Familie das es uns gut ginge (da uns diese bereits versuchte per SMS zu erreichen). Das Wetter in den kommenden Tagen verändert sich schlagartig. Es zog ein heftiger Wind auf und es begann zu regnen. Die komplette Hotelanlage stand zehn Zentimeter unter Wasser. Die Reiseleitung informierte uns das derzeit keine Gefahr für Gäste bestand und wir uns im Hotel aufhalten sollten. Draußen sei die Gefahr von herunterfallenden Kokosnüssen oder Palmwedeln zu gefährlich. Evakuiert wurden wir nicht. Zwischendurch fiel immer mal wieder der Strom aus. Bald darauf gab es auch keine TV und Netzverbindung mehr. Zum Glück schaffte ich es gerade noch eine SMS nach Hause zu schicken das soweit alles okay war und die Lieben Zuhause keine Angst haben sollten.

Die Temperaturen lagen tagsüber nur noch bei 15 Grad. Ich hatte nur eine lange Jeans und ein Sweatshirt dabei. Im Hotel lief ich mit Decke und Handtuch umher, da es einfach zu kalt und nass war. Die Zeit verbrachten wir meist im Speisesaal mit Karten spielen oder Unterhaltungen mit Mitreisenden. Da die ganze Hotelanlage sehr offen gebaut war, gab es kaum trockene Ecken. Die Ungewissheit machte mir Angst. Von der Reiseleitung hatten wir auch nichts mehr gehört. Das Hotelpersonal handelte super in dieser Situation. Es nahm den Gästen die Angst und versorgte uns mit Kuchen und heißen Getränken. Der Hotelmanager kam ein paar Tage später auf uns zu meinte der Hurrikan würde abdrehen und wir würden glücklicherweise nur die Ausläufer abbekommen. Wenn dies die Ausläufer waren dann möchte ich nicht wissen wie heftig so ein Hurrikan ist wenn man ihn mit voller Wucht abbekommt!

Nach eineinhalb Wochen war der Spuk vorbei und das Wetter besserte sich. Die Sonne kam heraus und der Himmel war eines morgens herrlich blau. Die Mitarbeiter des Hotels begannen die Schäden zu beseitigen und die Aufräumarbeiten waren im vollen Gange. Die Straßen und Brücken waren teilweise in einem schrecklichen Zustand sodass wir die letzten Tage am Pool verbrachten. Nun meldete sich auch die Reiseleitung wieder. Bereits am nächsten Abend sollte unser Flieger nach Hause gehen. Es gab allerdings ein größeres Problem. Die Straßen Richtung Punta Cana waren nicht passierbar. Wir wurden also mit einem Bus abgeholt und zum Flugplatz (wenn man diesen so benennen kann) nach Santo Domingo gebracht. Dort stiegen wir in eine winzige Propeller Maschine ein die uns nach Punta Cana fliegen sollte. Im Flieger hatten insgesamt acht Personen plus zwei Piloten Platz. Das Gepäck wurde einfach im hinteren Teil der Maschine verstaut. Bevor es losging aß der Pilot noch genüsslich sein Mittagessen. Dann zog der den Vorhang zur Seite und startete die Maschine. Die Startbahn war so mega kurz das ich es mit der Angst bekam. Der Pilot steuerte den Flieger souverän und wir hoben ab.

Von oben konnten wir die ganze Verwüstung sehen, da wir nicht sehr hoch flogen. Das Meer war kilometerlang noch braun. An den Stränden lagen umgestürzte Palmen. Ein Bild des Schreckens. Nach einer halben Stunden landeten wir am Flughafen in Punta Cana. Wir mussten mit unserem Koffer Richtung Terminal laufen. Im Terminal war es so voll! Urlauber die bereits vor drei Tagen hätten fliegen sollen saßen verzweifelt auf ihren Koffern. Es herrschte ein reinstes Chaos. Kinder weinten und ihre verzweifelten Eltern versuchten beim Flughafenpersonal Informationen zu bekommen. Unser Flieger sollte laut Abflugtafel pünktlich gehen. Das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Wir gaben die Koffer am völlig überfüllten Check-In ab und gingen zum Gate. Mit einer halben Stunden Verspätung ging tatsächlich unser Condor Flug Richtung Heimat. Wie dies alles in dem Chaos funktioniert hat ist mir ein Rätsel! Ich saß mit gemischten Gefühlen im Flugzeug.

Die Bilder und Eindrücke der letzten Tage gingen mir durch den Kopf und zugleich freute ich mich nach all dem Schrecken auf meine Familie. Mir war bis dato nicht bewusst wie gewaltig so ein Hurrikan sein kann und wie es sich anfühlt diesem komplett ausgeliefert zu sein. Die Menschen die in der Karibik wohnen und arbeiten sind mit diesen Gegebenheiten vertraut und wissen damit umzugehen. Für sie ist es fast schon normal das regelmäßig Hurrikans ihr Leben bestimmen.

Bei der Buchung wusste ich zwar das zu dieser Zeit Hurrikan Saison in der Karibik ist aber dies bedeutet ja auch nicht das tatsächlich Hurrikans auftreten werden. Auch hat der Preis in der Nebensaison damals eine große Rolle gespielt. Die kommenden Jahre hab ich mich dann an den Wetterprognosen bei Reisebuchungen orientiert. Denn ein weiteres mal möchte ich dies nicht mehr erleben.
Aber vor Naturkatastrophen kann man sich halt nur bedingt schützen. In diesem Sinne wünsche ich allen sicheres Reisen!

 

 

 



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