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Heiligabend in Tokyo

Weihnachten in Japan… noch in Deutschland besorgte mir das die meisten Probleme. Wo würde ich Weihnachten feiern? Würde ich alleine sein? Würde ich heulend in irgendeiner Ecke zubringen, in Gedanken Daheim… in der Kirche, unter einem Weihnachtsbaum, zufrieden?

Ich bin alleine nach Japan gestartet. Also musste ich mich mit dem Gedanken anfreunden, auch bei für mich wichtigen Feiertagen alleine zu sein. Glücklich machte mich das aber noch lange nicht.

Aber schon im September war klar, dass ich meinen Dezember (und auch meinen Januar) in Tokyo zubringen wollte. Hier hatte ich mir gemeinsam mit Freunden eine Wohnung gemietet und wir wollten ein “echtes” deutsches Weihnachten nach Japan bringen.
Adventskranz, Tannenbaum, gemeinsames Essen.

Und fast sah es so aus. Wir hatten es geschafft, ein deutsches Weihnachten zehntausend Kilometer weit weg von Daheim zu zelebrieren. 

Aber fangen wir Anfang Dezember an. Ich war wieder zurück in Tokyo und entgegen meiner Erwartung, dass ich wieder im deutschem Restaurant arbeiten könnte, so wie es mir zugesichert wurde, stand ich ohne einen Job da. Für zwei Monate. Da das nicht funktionieren würde, setzte ich mich morgens schon an meinen Laptop um in allen erdenklichen Online-Jobportalen nach Arbeit zu suchen. (Wie man während eines Working Holidays in Japan übrigens am geeignetsten nach Arbeit suchen könnt, könnt ihr hier nachlesen.)

Nach gefühlt 50 Bewerbungen/Tag kam es zu dem ein oder anderen Vorstellungsgespräch. Unter anderem auch für einen Aushilfsjob auf dem Hibiya Weihnachtsmarkt. Hätte ich diese Arbeit mal lieber sausen gelassen…

Relativ bald starteten meine Arbeitswochen. Zu Anfang noch 13 Stunden am Tag, ohne Essen/Trinken und Toilettenpause. Bezahlung? In dem Fall “mickrige” 1000Yen/Stunde. Dass das Tassenpfand schon genau so viel Yen entsprach, erzählt den Rest der Geschichte. Nach Erklärungsversuchen, dass ich gerne kürzer treten würde und Heiligabend nur den halben Tag arbeiten wollte (da Heiligabend), wurde für mich gleich Ersatz gesucht. Auf mich verzichten wollte der nicht-so-freundliche französische Chef dennoch nicht. Also hieß es für mich morgens in aller Frühe hin/abends spät zurück. Tag für Tag. Eigentlich kein Problem. Aber bei einem solchen Chef dann doch.

Das Höchste, war die Tatsache, dass er einer Bekannten und mir “verbot” uns auf Deutsch zu unterhalten, weil er dieser Sprache nicht mächtig war und ihn das anscheinend störte. Die Tatsache, dass wir nach Schließung des Weihnachtsmarktes im Abschlussgespräch unsere Toilettenpausen von unserer Arbeitszeit abziehen sollten, weil er die “selbstverständlich nicht bezahle” war ich um jede Minute in der Bahn glücklicher, die mich von diesem Park entfernte.
Bis Ende meines Abenteuers hatte ich tatsächlich jedes weitere Mal Skrupel den Hibiya-Park zu besuchen, obwohl ich immer gut leiden konnte…

Arbeit kann schon einiges zerstören. Trotzdem war meine Freude auf Heiligabend ungebrochen. Da meine Freunde und ich zu den verschiedensten Zeiten Heim kamen, entschieden wir uns etwas zu kochen und so gab es Tomatensuppe, Hähnchenfilet, Kartoffelpüree und Salat. Also ein fast deutsches Weihnachtsessen. ;)

Ein Freund besorgte uns sogar einen kleines Weihnachtsbaum aus Plastik und einen echten Weihnachtsstern. Einen doch sehr improvisierten Adventskranz konnte ich auftrumpfen. Von einer deutschen Bäckerei gab es einen Christstollen und gemeinsam haben wir “Kevin allein Zuhaus” gesehen.

Ein fast perfektes deutsches Weihnachten. Natürlich wichtelten wir auch – musste ja alles seine Ordnung haben. :)

Und damit ihr euch alle ein kleines Bild meines Dezembers machen könnt…

Alles in Allem bin ich froh über meine Erfahrung “Weihnachten in Japan”. Aber ich bin auch sehr erleichtert, dass ich dieses Jahr Weihnachten ganz ‘normal’ Daheim mit meinen Lieben verbringen kann.

Wie geht es euch mit dem Thema “Weihnachten feiern in anderen Ländern”? Habt ihr schon einmal anderswo gefeiert? Hat es euch mehr Freude bereitet als Daheim? Ich bin auf eure Antworten gespannt! :)

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