Tag 9 | Hello Work, Job ?! , Deutsch-Japanisch-Treffen in Funabashi

tag9

Heute galt es einen langen Tag zu überwinden.

Mein erster Termin: Hello Work, eine Arbeitsagentur.

Ganz nach meinem Visum (WORKING Holiday) ging es für mich heute zur Arbeitsagentur “Hello Work”, welche ich gemeinsam mit meinem Betreuer aufsuchte. Er diente vor allem als Unterstützung und Übersetzer, wobei ich jedem die Angst nehmen kann: es gibt vor Ort auch englischsprachiges Personal. Also war er vor allem deswegen dabei, damit ich nicht vor der Amt eine Kehrtwendung einlegte, schließlich wollte ich die ersten zwei Monate von dem Wort “Arbeit” im vollem Unfang absolut nichts hören.

Da ich aber nur einen Monat in meiner Anfangsunterkunft verweile, nahm ich die Chance war, um das erste Mal den Besuch mit ihm zu wagen.

Nachdem wir ein Formular ausgefüllt hatten, welches mit den üblichen Angaben, wie Name und Adresse befüllt werden musste (und mit Angaben, an welchen Tagen man gerne arbeiten möchte, wie weit – zeitlich! – es von dem Zuhause aus entfernt sein durfte, wieviel man verdienen wollte und ob Teil- oder Vollzeit) ging es an den Schalter.

Hier hatte ich das Glück auf eine nette Dame zu treffen, welche mich zwar auf japanisch “zuquatschte”, aber dennoch sehr freundlich wirkte. Durch meinen Betreuer erfuhr ich, dass sie auf Anhieb zwei Stellen für mich hatte. Beide in einem Kindergarten. Einer in der Nähe meiner jetzigen Unterkunft und der andere nur zwanzig Minuten Fußweg von meiner nächsten Unterkunft, welche im Mitaka, Tokio liegt. Also entschied ich mich für das zweite Angebot; denn hier wurden auch Leute für eine Vollzeitstelle gesucht.

Also rief die Dame beim Unternehmen an und ich erhielt die Rückmeldung gegen 11:00 Uhr dort erscheinen zu können, für ein Jobinterview.
Dass das alles so schnell gehen würde, damit hab ich nicht gerechnet…

Sie erklärte mir, dass ich meinen japanischen Lebenslauf, welcher von meinem Betreuer freundlicherweise übersetzt worden war und einem Schreiben von Hello Work dort auflaufen müsste.

Leider hat mir mein Betreuer vergessen zu sagen, dass ich Passfotos mitzubringen hatte, also mussten wir erst einmal einen Fotoautomaten ausfindig machen, den ich mit 800¥ zu füttern hatte (es liegen massig Fotos in der Unterkunft!!) und anschließend schob er mich in einen Kombini, in welchem ich einen Kleber kaufen sollte, während er an der Kasse in Erfahrung brachte, ob mir einer eines der Fotos vom Fotobogen ausschneiden konnte.
Kleber war gekauft, aber es war keiner willig auszuschneiden. Knapp 200¥ in den Wind geschossen. Ein zweites Mal.

Unterwegs, auf der Suche nach einer Schere, sagte ich ihm, dass die bei Hello Work sicherlich die nötigen Utensilien vor Ort haben und so bekam ich von der Angestellten, die mich beraten hatte, Kleber und Schere in die Hand gedrückt, als wir wieder dort auf der Matte standen. Und ich; ich trauerte jetzt erst recht meinem Geld nach.

Nachdem der Lebenslauf nun mit Foto präperiert war, brachte mich mein Betreuer zur Bahnstation, mit welcher ich direkt zum passenden Bahnhof fuhren konnte. Von dort aus sollte mich eine ausgedruckte Wegbeschreibung zu meinem Ziel führen.
Ich war gespannt.

Also zückte ich meine Suica und ging durch die Schranke, drehte mich noch einmal um, bekam ein “がんばって” (Ganbatte! = Gib dein Bestes!) zu hören und nahm den nächsten Zug der einfuhr.

Ungefähr eine halbe Stunde später, kam ich schließlich an der benannten Bahnstation an, stieg aus, die Treppen herab und durfte mich nun zwischen Nord- und Südausgang entscheiden.

Na prima; hiervor hatte niemand gesprochen. Ich entschied mich für die linke Seite und war mit der Wegbeschreibung, die alles andere als schlüssig war, ein wenig überfordert. Mobiles Internet hatte ich noch keines und ein freies W-Lan-Netzwerk war mir auch nicht vergönnt.
Also lief ich ein paar Schritte durch die Gegend und hielt eine junge Japanerin an, die es zwar sehr eilig zu haben schien, mir aber ihre Hilfe dennoch nicht verwehrte. Im Gegenteil: sie zückte ihr Tablet und versuchte mit diesem, die angegebene Adresse ausfindig zu machen. Mit meinen doch eher minderen Japanischkenntnissen bekam ich trotzdem eine ganz genaue Beschreibung zusammen, bedankte mich mehrere Male höflich und machte mich nun also auf den direkten Weg zu meinem Vorstellungsgespräch.

Nach ca. 15 Minuten Fußweg stand ich nun also vor der Tür, meldete mich an, zog die Schuhe aus – wie es in Japan nun einmal so üblich ist und betrat das kleine (sehr kleine!) Räumchen, in welchem sich ca. 20 Kinder und nur eine erwachsene Person tummelten, die sich meiner Person nun annahm.

Ich war ein wenig geschockt. Hier waren Kinder, im Alter von 1,5 bis 10 Jahren vertreten und nur eine Aufsichtsperson. In Deutschland hätte man bei diesem Dauerzustand schon Probleme bekommen. Und doch nahm sich die Dame für mich Zeit und erklärte mir einige Dinge zur Vorschule (aha, Vorschule also…) und wie das ganze hier ablief. Der wichtigste Satz in diesem Gespräch war jedoch: wir brauchen ganz dringend Hilfe! Und wenn man mich fragen sollte: ja, so sieht es leider aus.

Nach einigen Fakten zur Bezahlung und Arbeitszeit am nächsten Tag, wollte sie gerne wissen, ob die Möglichkeit bestand, direkt etwas mit den Kindern zu machen.

An für sich natürlich kein Problem, auch wenn ich nur mit einem Interview gerechnet hatte, nahm ich die Herausforderung an und fragte, ob auch ein deutsches Stuhlkreisspiel möglich war, weil mir auf Anhieb kein englisches einfallen wollte.
Das störte sie nicht, weshalb ich mich dazu entschied, dass Spiel “Schmetterling, du kleines Ding” (na, wer kennt es noch aus eigenen Kindertagen?! ;) ) zu spielen. Die Kinder hatten jede Menge Freude an dem Spiel und nach fünf Runden gab ich mich geschlagen und entließ sie alle zurück ins freie Spiel. Inzwischen hatte ich schon länger als eine Stunde in diesem kleinem Raum verbracht und wollte gerne wissen, wie groß denn die Ausweichmöglichkeiten waren, wenn man mal nur für die Kleineren oder Größeren ein Angebot planen sollte.
Es gab keine. Ich war irritiert. Geschockt?! Das war der einzige Raum?! Ja, das war der einzige Raum. Und ein Außengelände, im deutschem Sinne, war auch keines vorhanden. Als gelernte Erzieherin verwunderte mich das doch sehr, aber ich ließ mir nichts anmerken.
Ich bekam den Hinweis, dass ich am morgigen Tag um 08:30 Uhr auf der Arbeit sein sollte, damit ich hier eine halbe Stunde Vorbereitungszeit nutzen konnte. Mein Arbeitstag sollte um 14:30 Uhr enden.
Einverstanden. Mit einer Bezahlung von 1500¥/Stunde sollte ich einiges mehr als andere Work&Traveller verdienen, die im ersten Monat nur bei ca 980¥ lagen.
Also verabschiedete ich mich von den Kindern und versprach am nächsten Tag pünktlich zu erscheinen.

Nachdem ich die Räumlichkeit verlassen hatte, machte ich mich wieder auf den Weg in die Unterkunft.

Ich war glücklich. Ich hatte einen Job. Auch wenn ich mit den Gegebenheiten alles andere als glücklich sein konnte, war ich gerade in dieser Situation einfach nur glücklich, weil die Aussicht auf das Geld meinen Gewissensbissen keinen Abbruch tat. 1500¥; das klang super! Ich wäre verrückt gewesen, dass Angebot nicht anzunehmen.

In der Unterkunft angekommen, schrieb ich erst einmal meinen Lieben Zuhause, dass ich einen Job gefunden hatte. Auch meinem Betreuer schickte ich ein kurzes “Got it!”.

Glücklich machte ich mich frisch und nahm kurze Zeit später bereits wieder den Weg zur Bahnstation auf mich. Denn heute wollte ich noch nach Funabashi, in der Chiba-Präfektur (ca. eine halbe Stunde von Tokio entfernt), denn hier erwartete mich ein Treffen der Japanisch-Deutschen-Gesellschaft.

Eine – inzwischen – liebe Bekannte hat auf Facebook Werbung gemacht und mit Japanern Deutsch sprechen, klang für mich nach einer super Gelegenheit, Leute kennen zu lernen, auch wenn ich nicht komplett Japanisch spreche und verstehe.

Also machte ich mich auf den Weg nach Funabashi und wurde hier von ihr abgeholt. Ich war begeistert von ihren Deutschkenntnissen. :)
Sie erzählte mir, dass sie bereits in Deutschland gelebt hatte und auch ihre Tochter sich noch dort aufhält. Zur Zeit war sie aber tatsächlich in Japan – zu Besuch – und wollte uns zum Treffen begleiten. Tolle Idee!

Zu dritt machten wir uns auf den Weg in einen eher zweckdienlichen Raum, welcher mit einigen Tischen und Stühlen ausgestattet war. Doch die Menschen, die mich hier erwarteten, machten den Raum einfach lebendiger. Jung und alt, wenig und viele Deutschkenntnisse, Japaner und Deutschsprachige. Es war perfekt!

Nachdem wir kurzen Smalltalk hielten, begann die Gesprächsrunde. An unserem Tisch: drei Japaner, ein Herr aus Österreich, welcher uns mit Mozartkugeln versorgte, die ich vorher noch nie gegessen hatte und ich. Wir hatten uns über so viele Dinge unterhalten und es war eine tolle Zusammensetzung.
Einige Zeit später sollte ich an den nächsten Tisch wandern. Hier fand ich Marc, mit dem ich mich gleich gut verstanden hatte und vier Japaner. Eine Dame, die noch nicht alles verstand und einen Charakter, welcher versuchte uns einige Dinge über Deutschland zu erzählen. Hier war ich doch ein wenig irritiert; aber lustig war es dennoch. :D

Nach diesem Sprachaustausch machten sich einige noch auf den Weg in ein naheliegendes Restaurant, in welchem es Essen on mass gab und wir Muttersprachler wurden sogar eingeladen.
Da fühlte ich mich nicht ganz wohl mit… Schließlich ist Essen sehr teuer, aber die Japaner beteurten, dass das absolut selbstverständlich und in Ordnung sei. Mhm… Okay.

Gegen 23:30 Uhr machten wir uns alle auf den Heimweg. Eben so bekam ich noch die vorletzte Bahn und fand mich um ein Uhr nachts in meinem Bett wieder.

Glücklich, zufrieden und weckerstellend. Denn morgen sollte es früh raus gehen.

 



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