Zum Inhalt springen

Mein neues Leben. Mein alter Blog.

Mein erster Beitrag seit Monaten. Gefühlt noch viel länger. Und trotzdem habe ich lange überlegt, ob ich ihn schreibe, wenn ja, wie ich ihn schreibe und ob ich ihn letztendlich auch veröffentlichen werde. Anscheinend habe ich diesen Schritt nun gewagt.

Viele Personen, die meine Beiträge bei Facebook und Instagram verfolgt haben, haben gemerkt, dass da irgendetwas im Busch ist. Ich habe nicht mehr regelmäßig veröffentlicht, mich zum Teil ganz aus der Onlinewelt hinausgezogen. Immer mit der Überlegung: mute ich mir zu viel zu? Was bringt das alles noch?

Mein Leben hat sich in den letzten Monaten rasant gewandelt. Ich habe angefragt, ob und wie weit ich meine Geschichte euch mitteilen ‘darf’. Viele haben mir die Rückmeldung gegeben offen zu sein; andere wiederum haben gesagt, privates soll privat bleiben. Aber, wenn man es mal klar sieht: Reisewölkchen gehört zu meinem Leben. Eigentlich wollte ich nur meine Reisen, Tipps und Tricks kund tun, um anderen Leuten Unterstützung zu bieten… doch schon lange vor diesem Beitrag habe ich immer mal wieder meine Gedanken niedergeschrieben und auch hier veröffentlicht.

Später habe ich dann überlegt: warum nicht ein komplett neues Projekt, einen neuen Blog starten. Aber dann habe ich mich gefragt: wieso? Reisewölkchen ist schließlich mein Projekt. Und sollte der Schaffer eines Projektes nicht selber bestimmen, was, wie viel und in welchem Rahmen er etwas postet?

Deswegen habe ich mich nun dazu entschlossen einfach geradeheraus ehrlich zu sein. Warum war Reisewölkchen oder viel mehr ich nicht mehr so oft am Netz? Was hat sich alles so verändert? Kann ein Leben sich so grundlegend ändern, sodass man selber dazu veranlasst ist die Notbremse zu ziehen?

Kann es.

Es fing alles ganz harmlos an. Nachdem ich aus Japan wieder zurück war, zog ich wieder bei meiner Mutter ein. Mit dem Wissen, dass ich im August eine neue Ausbildung beginnen werde und mir deshalb keine eigene Wohnung leisten könne, blieb mir nichts anderes übrig, als diesen Weg zu gehen. Unterstützung vom Staat? Nein, leider nicht. Es wäre schließlich nicht meine erste Ausbildung. Nein, es ist meine Dritte. Warum da unterstützen? Man sollte sich ja doch irgendwo von Anfang an sicher sein, was man bis zu seinem Lebensende machen möchte. Mhm. Nein. Nicht ich. Also startete ich im Sommer 2017 meine Ausbildung, mit der ich bis heute, super zufrieden bin. Ich bin glücklich diesen Schritt getan zu haben, denn noch vor Japan merkte ich, dass meine Gesundheit es nicht gutheißen würde, weiter in dem Beruf der Erzieherin zu arbeiten. Jedenfalls nicht die darauffolgenden Jahre. Vielleicht finde ich eines Tages den Weg zurück, aber das bleibt abzuwarten.

Monatelang lief alles rund. Ich hatte eine lange Anfahrt zur Ausbildungsstätte und vor allem zur Schule, doch das machte mir nichts; schließlich machte ich genau das, was ich wollte. Wofür ich sogar mein Jahr in Japan unterbrochen habe. Und gefühlt kam dann ein Knaller nach dem nächsten. So ziemlich gegen Ende des letzten und zum Anfang diesen Jahres.

Meine Mutter und ich waren gezwungen aus unserer Wohnung auszuziehen. Eigenbedarf. Die Idee, dass wir uns ja irgendwo eine Zwei-Zimmer-Wohnung – wie uns empfohlen wurde – zu teilen, war schnell über Board geschmissen. Ich werde im diesem Jahr 26. Hätte ich nicht gewusst, dass es für mich nach Japan geht, wäre ich schon früher in mein eigenes Nest geflattert. So war das unmöglich.

Also zog ich zu meinem Freund. Viel zu früh, wie wir beide fanden. Doch eine eigene Wohnung war nicht drin, gemeinsam mit meiner Mutter war auch irgendwann zu viel, sodass mein Freund und ich nun gemeinsam in einer kleinen Wohnung in der Nähe unseres Arbeitsplatzes leben. Ein Vorteil, wie sich an manchen Morgen schon herausstellen durfte.

Natürlich wollte ich nicht alleine zu meinem Freund ziehen, sondern hatte ein kleines Anhängsel, in Form meines über neunjährigen Kaninchen dabei. Flecky. Und gefühlt brachte Flecky den Stein ins Rollen.

Nach eineinhalb Monaten in der für uns beiden neuen Wohnung, verließen ihn seine Kräfte. Er war fast neuneinhalb Jahre alt geworden, wirklich alt für ein Kaninchen. Und er hatte auch kein leichtes Leben. Noch eine Woche vor Japan musste ich um sein Leben bangen. Es zerriss mir das Herz ihn daheim zu lassen, aber mitnehmen war natürlich nicht möglich. Dass er während meines Auslandjahres auch noch operiert werden musste, war nicht einfach für mich. Und nun war er nicht mehr da. Von der einen auf die andere Sekunde hatte ich einen meiner wichtigsten Wegbegleiter verloren, der immer ein oder zwei offene Ohren für mich hatte. Es war hart.

Doch dann setzte das Schicksal noch einen drauf. Warum denn auch nicht?

Wegen einer harmlosen Erkrankung bin ich im April zum Arzt gegangen. Im Mai kam dann einer mehr oder weniger hilfreiche Diagnose. “Es kann sich um Krebs handeln.” Punkt. So einfach war das? Ich bekam es mit der Angst zu tun. In den letzten vier Jahren ist mir eine wichtige Person, mit der ich verwandt bin, an zwei verschiedenen Krebserkrankungen erkrankt. Ihr geht es gut. Wieder. Aber einige Male sah es nicht so gut aus. Das sollte mir also jetzt bevorstehen?

Ich informierte meinen Freund, meine Eltern, meine besten Freundin und mir nahestehende Menschen. Viele sagten mir, dass alles gut wird. Dass sie hinter mir stehen würden. Dass da garantiert nichts ist. Doch trotzdem sitzt da einer auf der Schulter und flüstert dir ins Ohr: “Und was, wenn es doch so ist?” Die Angst, dass etwas da sein könnte, was da absolut nicht hingehört, nahm immer größere Ausmaße an. Ich hatte in dieser Zeit keine einfache Zeit. Aber die Lieben, die um mich herum waren, genau so wenig.

Nur langsam begann ich mich damit zufrieden zu geben, dass die Untersuchung oder die Untersuchungen zeigen würden, was denn jetzt los sei. Es sollte nur die harmloseste Krebserkrankung von allen sein: Schilddrüsenkrebs. Leicht und schnell zu behandeln, wenn früh genug entdeckt. Wenn aber plötzlich der behandelnde Arzt beim ersten Gespräch sagt, dass dies eine Schilddrüse ist, die nach Hilfe schreit, vermittelt das kein positives Gefühl. Die Tatsache, dass sich die Ärzte nicht einig werden können, wie sie vorgehen sollen, zieht einen nur noch mehr herunter.

Ich habe wieder angefangen zu posten, ein bisschen was zu schreiben. Aber mir ist klar geworden, dass ich nicht mehr die Person bin, die Reisewölkchen vor Jahren aufgebaut hat. Dass man sich verändert, das ist selbstverständlich. Dass aber das Schicksal so gravierende Veränderungen ins Leben baut, ist schäbig.

Lange habe ich überlegt: kannst du das deinen Lesern mitteilen? Bist du ihnen eine Erklärung schuldig, bei der ist dir so schwer fällt, darüber zu schreiben? Ich habe mit mir gerungen. Sehr lange. Tag und Nacht. Wie machst du es? Einfach frei heraus? Schreibst du wirklich was? Ist das nicht zu persönlich?

Und dann wurde mir klar: ihr erlebt meine Reisen mit. Auch das ist privat. Ihr habt schon andere Hirngespinste von mir lesen dürfen, warum also nicht das?

Jetzt ist es raus. Es ist ein langer Beitrag geworden. Ich verlange nicht, dass man versteht, warum ich es niedergeschrieben habe. Auch Mitleid in seiner vollkommenen Komplexität muss nicht sein.

Mir war wichtig, dass ich euch mit diesem Beitrag nahelegen kann, warum man so lange nichts von mir gehört hat. Ich werde auch nicht mehr regelmäßig posten können, dafür fehlt mir die Zeit. Aber trotzdem möchte ich euch weiterhin auf meine Reisen mitnehmen. Aber ich werde auch den Blog nutzen, um nicht nur übers Reisen zu schreiben. Natürlich wird das weiterhin der Kern des Blogs sein, den ich – so gut es eben geht – weiter ausfüllen möchte. Und trotzdem möchte ich den Blog auch als das nutzen, wofür es Blogs früher so gab. Als Online-Tagebuch. Um einfach mal meinen ganzen Quatsch von der Seele zu brabbeln, wenn es Freunden und Verwandten schon an den Ohren herauskommt. Und ich denke dafür ist er gut geeignet.

Habt vielen Dank für’s Lesen.

 

Zusatzbeitrag

Ihr Lieben,

zwei Beiträge an einem Tag. So etwas gab es bei Reisewölkchen eigentlich noch nie. Dieser hier bezieht sich auf meinen letzten Beitrag.

Ich möchte euch darauf hinweisen, dass ich zur Zeit dazu ‘gezwungen’ bin, Tabletten gegen die hohen/tiefen Werte meiner Schilddrüse zu nehmen. Die Ärzte sind sich weiterhin nicht sicher, ob sich etwas entwickelt, aber momentan bin ich – so weit man es behaupten kann – gesund.

Für euren Zuspruch möchte ich mich herzlich bedanken, aber Sorgen braucht ihr euch nicht zu machen.

Also wirklich: keine Sorgen machen. :)

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.